Wie jeder Fantasyfilm der versucht, am Erfolg von Lord of the Rings teilzuhaben, hat auch Der Goldene Kompass eine Menge Schwächen.
Aber zuerst die überzeugenden Elemente:
Der Cast ist sehr gut gewählt, alle Charaktere wirken sehr glaubhaft, und Nicole Kidman als Mrs. Coulter ist mehr als überzeugend. Auch die Regie gefällt, vor allem in den zahlreichen Actionsequenzen, in denen es von CGI nur so wimmelt, verliert man selten den Überblick. Und überhaupt ist die CGI extrem gut gelungen: Die Dämonen wirken unglaublich realistisch, und auch Lyra’s Oxford ist toll dargestellt, was erklären könnte wie die 180 Millionen US-$ Kosten zustande gekommen sind.
Leider sind diese Punkte die einzigen positiven der Buchverfilmung - zumindest wenn man die Bücher gelesen hat. Denn wie ich von anderen Kinobesuchern, die noch keines der Werke von Philip Pullman gelesen hatten, erfuhr, waren diese durchweg zufrieden und sogar begeistert von dem Film. Für jeden, der die Bücher gelesen hat, ist der Film stellenweise jedoch eine Tortur:
ACHTUNG: SPOILER! (AUCH FÜR TEIL 2 & 3)
Dass aus dem Magisterium irgendeine Art anonyme Weltregierung gemacht wurde, kann ich ja noch irgendwie verkraften, auch wenn ich mich frage wie sie das in den nächsten Teilen weiter durchziehen wollen.
Dass aber die Handlung derart gekürzt und zusammengestaucht wurde, dass man keine einzige Minute Ruhe im Film vorfindet, könnte ich nur bei einem Film mit Überlänge verstehen. Stattdessen ein großartiges Buch auf gerade einmal 113 Minuten zu quetschen, und dadurch wichtige Elemente zu vernachlässigen, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Eine halbe Stunde mehr hätte vermutlich gereicht, um aus einer unterdurchschnittlichen Buchverfilmung eine wirklich gute zu machen.
Vor allem das Ende des Films stellt einige Fragen in den Raum: Wenn sie den Vorlagen Das magische Messer und Das Bernstein-Teleskop auch nur halbwegs treu bleiben wollen, muss Roger in den ersten Minuten von Teil 2 sterben. Und das, nachdem für die unbelesenen Zuschauer offensichtlich am Ende des goldenen Kompasses die Hauptfiguren für Teil 2 gen Sonnenuntergang fliegen.
SPOILER ENDE
Der Soundtrack, an den ich zumindest einige Hoffnungen geknüpft hatte, enttäuscht ebenfalls. Alexandre Desplat liefert zwar Hintergrundmusik die irgendwie zum Film passt, hängen bleibt jedoch kein einziges Thema.
Alles in allem ist Der Goldene Kompass anscheinend ein durchschnittlicher Kinofilm für jeden, der die Bücher nicht kennt. Wer jedoch die Werke von Philip Pullman schätzt, sollte sich das Eintrittsgeld sparen und ihn gucken, wenn er mal im Fernsehen gezeigt wird.
Bis dahin kann man sich immer wieder die Trailer anschauen, die alle ein Vielfaches besser sind als der Film.
Gruß,
borsti